Mit dem „Mitsu“ unterwegs .........

Notizen einer Reise durch Libyen, Tschad, Niger, Mali und Maureanien (1997/98)

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hübsches Mädchen bei Yebbi BouTubu-Mädchen bei Zoumri

18.000 km mehr als im Oktober bei der Abfahrt zeigt der Tacho unseres „Mitsu“ an, als wir am 20. Januar 1998 wieder wohlbehalten in der Oberpfalz einrollen. Unser „Mitsu“ ist ein Mitsubishi L300 4x4 TD, der uns schon auf vielen Afrikareisen ein treuer Begleiter war.

Mancher Leser wird sich erinnern: Bei der letzten Tschadreise mussten wir auf einige unserer Traumziele wie Ounianga-Seen und Ennedi verzichten, weil unsere Lichtmaschine im Tibesti versagte und wir die Ersatzteile erst in N’Djamena abholen konnten. Schon damals war uns klar, dass wir diese und andere Ziele ein Jahr später unbedingt erreichen wollten. Mehrere Monate mit Vorbereitungen liegen hinter uns, als wir endlich Richtung Tunesien starten. Allein die Visakosten für zwei Personen und fünf Länder (Libyen, Tschad, Niger, Mali, Mauretanien) hatten sich mit Porto auf rund DM 900,-- summiert, und manche Antragsmodalitäten hatten unsere Geduld auf eine harte Probe gestellt. So war bei der Botschaft von Mali das Bargeld auf wundersame Weise abhanden gekommen, kein Einzelfall, wie wir inzwischen von anderen Reisenden wissen.

Gern wollten wir, Bärbel und Bernd, wieder allein fahren, weil uns eigentlich die Unabhängigkeit wichtiger ist als die größere Sicherheit beim Fahren mit Partnern. Ein Thema, über das man lange diskutieren könnte. Wenige Wochen vor der Abreise melden sich dann überraschend doch noch Doris und Wolfgang, mit denen wir bis ins Ennedi zusammen gefahren sind.

Die „Habib“ bringt uns wieder nach Tunesien. Wir haben etwas Bedenken wegen einiger Berichte über chaotische Abfertigungen auf dem Schiff, aber alles funktioniert tadellos und schnell, von Schikane oder Chaos keine Spur. Auch im Hafen haben wir nach einer Viertelstunde den Zoll problemlos passiert, verbringen die Nacht dann ruhig unterhalb des Präsidentenpalastes. Eine Woche bleiben wir in Tunesien, bis das zweite Fahrzeug zu uns stößt. Im Norden besuchen wir in dieser Zeit einige Ziele, die wir noch nicht kennen, wie Bizerte und Cap Bon. Bei einer Fischerfamilie südlich von Hammamet verbringen wir zwei schöne Tage, fahren gemeinsam zu ihren Freunden in die Berge.

Dann Libyen, alles läuft wie bekannt, der Kurs für die Deutsche Mark ist etwas gefallen, ansonsten „same procedure as every year“. Auf Teerstrassen geht es nun Richtung Süden. Wir passieren Sebha, versorgen uns in Murzuk reichlich mit Gemüse, Wasser und Treibstoff. Dann geht es auf die Piste Richtung Tibesti. Wie schon im letzten Jahr, als wir über die Westroute, d.h. über Wour, Arkiafera-Ebene, Trou au Natron nach Bardaï fuhren, wollen wir auch dieses Mal auf einen Führer verzichten und als „besonderes Schmankerl“ über das Enneri Bardagué direkt nach Bardaï fahren. Schweizer Freunde haben diese Tour mit Führer vor einem Jahr gemacht.

Von Bardaï soll es dann weiter nach Osten, zu den Ounianga-Seen und weiter ins Ennedi gehen. Nach 63 Kilometern stoppt uns eine Militärpatrouille. Schon letztes Jahr erwischte sie uns an der gleichen Stelle, ließ uns aber weiterfahren, als wir unser Ziel „Tschad“ bestätigt hatten. Dieses Mal müssen wir zu ihrem Stützpunkt 30 km im Tiefsand hinterherfahren. Beim Militärposten angekommen berichte ich dem Offizier von der großen Afrikatour die wir vorhaben. Begeistert drückt er mir die Hand und wünscht "Gute Reise".

Nun könnten wir zur Beschreibung der Landschaften im weiteren Verlauf häufig extreme Attribute wie „herrlich, fantastisch, einmalig, unbeschreiblich o.ä.“ verwenden. Wir wollen aber darauf verzichten, weil sicher jeder diese Landschaften für sich anders empfindet und man andererseits einem Menschen, der noch nie in der Sahara war, allein durch Worte nicht beschreiben kann, was ihn dort erwartet. Die Strecke ist sehr abwechslungsreich, und häufig ließe sich jedes einzelne der obige Attribut verwenden: Sand in allen Farbschattierungen, Zeugenberge in rot und weiss, Hammada, Serir, Hinkelsteine in Massen und ein richtiger „Hinkelberg“.

Wir taufen ihn „Mount Hinkel“ und übernachten neben ihm.

Am "Mount Hinkel"

Am "Mount Hinkel"

Völlig überraschend passiert bei Dunkelheit ein Lkw in der Nähe. Kein weiteres Fahrzeug und kein Mensch in den nächsten Tagen. Dann der gesuchte Einstieg in die Bardagué-Piste, etliche Passagen sind noch vermint, aber gut gekennzeichnet.

Im Enneri Bardagué

Im Enneri Bardagué

Auf viele Kilometer verlaufen die Spuren direkt im Wadi, eine extrem staubige Angelegenheit. Üppige Vegetation, Sand, Felsen, Gazellen und viele kleine Tiere. Wir sind begeistert und fühlen uns wohl, es läuft alles wie geplant.

Bardaï, der Hauptort des Tibesti liegt wunderschön in den Felsen, von Norden her gesehen ein besonders schöner Anblick. Wieder melden wir uns bei den Behörden, wie gehabt. Dort will man uns natürlich wieder einen teuren Führer „aufdrücken“, im letzten Jahr war es uns gelungen, allein weiterzufahren. Dieses Mal stehen die Chancen schlecht: Bei den bemalten Felsen des Jean Vérâme hat man am Vortag zwei Fahrzeuge einer geführten deutschen Reisegruppe aus München überfallen und beraubt.

bunte Felsen bei Bardai

die "bunten Felsen" bei Bardaï

Im Vorjahr war uns selbst das gleiche sogar am Ortsrand, nur 300 m von der Gendarmerie entfernt passiert. So hilft alles Reden nichts. 20.000 FCFA bis Zoumri sind fällig, dann 35.000 bis Yebbi Bou. Im Camp der französischen Minenräumer treffen wir die deutsche Reisegruppe und erfahren einige Einzelheiten. Am nächsten Morgen dann ein Rundgang in Bardaï. Die neue Schule in der Nähe der intakten alten, keine Einrichtung, keine Lehrer. Die bunten Felsen, die Felsgruppe „Les quatres rochers“ mit einigen Felszeichnungen . Ein Faß Diesel kaufen und filtern.

Tanken aus Fässern in Bardai

Tanken aus Fässern in Bardaï

Dann mit „Führer“ weiter Richtung Zoumri, dort nachzahlen, dann mit dem gleichen Mann weiter Richtung Yebbi Bou. Überholperige Pisten zur malerischen Wasserstelle Torotorom mit Restvegetation. Feigenbäume haben hier überlebt.

Bei Yebbi Souma treffen wir Peter und Frank aus Holland mit ihrem Mercedes G; sie wollen drei Jahre in Afrika bleiben, betreiben völkerkundliche Studien. Wir freunden uns an, beschließen die „Führerverhandlungen“gemeinsam in Yebbi Bou zu führen. Peter macht das großartig, wir dürfen ohne Führer Richtung Gouro fahren, zahlen nur 2/3 des Preises „mit Führer“. Schließlich haben wir ja nur zwei Sitze im Auto , und es wäre unschicklich, einen Führer so dicht bei den Frauen, also praktisch „auf dem Schoß“ sitzen zu lassen. Bald trennen wir uns von unseren neuen Freunden, sie fahren nach Süden Richtung Faya. Wir starten nach Gouro, umfahren den Emi Koussi nördlich. Auf dem Flugplatz von Yebbi Bou steht noch eine zerschossene Maschine.

Tubu-Siedlung bei Yebbi Bou

Tubu-Siedlung bei Yebbi Bou

Die Piste ist grausam und herrlich zugleich. Über Lavasteine rumpeln wir dahin. Oft sehen wir große Löcher, aus denen Panzerminen geräumt worden sind. Bald enden die Steine. Nun kommt die Belohnung für die mühsame Piste: Felsformationen in unvorstellbarer Vielfalt und Schönheit im Sand. Wie berauscht fahren wir viele Kilometer hier durch, machen unzählige Fotos. Vergessen ganz, daß wir hier eigentlich ein paar Tage hätten stehen bleiben können. Wir fahren die alte Piste über Bini Erda und Bini Drosso. Die Lkw-Spuren biegen vorher östlich ab. In beiden Orten sind die Zéribas verlassen, kein Mensch, kein Tier. Bedrückend. Gouro umfahren wir nördlich über etwas holperiges Gelände, wir wollen uns nicht noch einmal einen teuren Führer aufzwängen lassen.

Südöstlich finden wir ein kleines Paradies, die kleine unbewohnte Oase Fochi. Wir stehen unter Palmen, erholen uns von der mühsamen Strecke. Von hier aus fahren wir auf relativ einfachen Pisten weiter zu einem unserer Traumziele: Ounianga Kebir. Unterwegs sehen wir wieder viele Hinterlassenschaften des Krieges, Panzer und Munition, oft noch scharf. Der große Ounianga-See (Lac Yoa) ist noch schöner, als wir ihn uns vorgestellt hatten. Riesig im Verhältnis zu den Mandara-Seen. Wieder einmal sind wir sprachlos. Entlang der anderen Seen fahren wir weiter nach Ounianga-Serir. Stehen unten am See, beobachten die zahlreichen Vögel.

Lac Yoa, der große Ounianga-See

Lac Yoa, der große Ouniangasee

Große Armut im Ort. In der Schule verschenken wir Bleistifte und andere nützliche Dinge. Aber wie lange hilft das schon?

Eine neue Aufgabe erwartet uns: Von hier aus wollen wir direkt Richtung Ennedi fahren, also nach Süden durch die „Dépression du Mourdi“. Wir wissen, daß man hier passieren kann, aber nicht an welcher Stelle. Da hilft nur „trial and error“. Wir steuern das alte Lehmziegelfort Madadi an, einige Bewohner führen in einer winzigen Siedlung ein sehr zurückgezogenes Leben. Aischa versorgt uns mit Gemüse. Es gibt gutes Wasser. Am nächsten Tag geht es zur Sache: Ca. 40 km Dünen, manchmal unterbrochen durch steinige Senken. Dann haben wir es geschafft.

Nach der letzten Passage stoßen wir auf einen grausigen Platz: Rund 15 libysche Panzer stehen hier, die Geschützrohre noch auf die Felsen gerichtet, von denen her sie beschossen wurden. Überall liegen die Gefallenen noch im Sand, sie wurden anscheinend nur notdürftig verscharrt. Schmale Köpfe, junge Menschen. Bleiche Beckenknochen, vom Patronengurt noch umschlungen, die Schädeldecke daneben. Wofür das?

Erinnerung an einen langen Krieg

Erinnerung an einen langen Krieg

Früh kündigt sich das Ennedi durch die berühmten Felsformationen an, es ist wie im Traum. Dann Fada, Einladung beim Sous-Préfect. Weiter zur Guelta d’Archeï. Auf dem Weg dorthin wieder viel Kriegsgerät inmitten der Felsentürme und -schlösser. Eine üppige Vegetation mit vielen Tieren erwartet uns. Hier soll es sogar noch Krokodile geben, wir sehen allerdings nur Spuren. Schade. Eine 14-köpfige Affenfamilie springt in den Felsen herum, oft sind sie sehr nah. Ein herrlicher Platz, wir bleiben zwei Tage.

Ennedi auf dem Weg zur Guelta k'Archei

Ennedi, auf dem Weg zur Guelta d'Archeï

Guelta d'Archeï

Guelta d'Archeï

Doris und Wolfgang  möchten von hier aus Richtung Faya weiterfahren, wir waren dort schon im letzten Jahr und möchten lieber noch im Ennedi bleiben. So werden wir von hier aus  allein weiterfahren.

Zuerst geht es wieder zurück nach Fada, der Bezirkshauptstadt des Ennedi; aber hier gibt es weder Tankstelle , Werkstätte, Post, Telefon oder gar Elektrizität. Selbst der einzige Schmied kann nicht einmal schweißen, sagt man uns. Hier sind wir einige Tage Gast des Sous-Préfect und lernen alle Honorationen des Ortes kennen, auch Funktionsträger, die die derzeitige Situation am Tschadsee kennen, unserem späteren Ziel. So werden hier schon die weiteren Ziele abgesteckt. Beim Abschied sind alle betrübt. Über Kaleit (von dort besuchen wir das aufgegebene Oum Chalouba) und Biltine geht es nach Abéché. Für die Weiterfahrt nach N’Djamena wählen wir die „Südstrecke“ über Mongo, die in viel besserem Zustand und auch noch viel schöner mit ihren Bergen und Felsen ist. Oft übernachten wir in der Nähe der kleinen Dörfer mit Ihren „Zipfelmützen-Häusern“. Nie werden wir belästigt, ganz im Gegenteil: Oft bringt man uns Früchte oder Milch ans Auto. Häufig halten wir in den Dörfern, unterhalten uns mit den Menschen, erzählen von Deutschland und unserer Reise.

Dann N’Djamena, die Hauptstadt. Wir kennen eine kleine Bar, essen wieder die leckeren Brochettes, trinken Gala-Bier. Der Onkel ist bei der Polizei, wir bekommen neue Infos. Dann „unser Jagdcamp“, wo wir uns letztes Jahr elf Tage erholt hatten. Der Barmann umarmt uns, er kennt uns noch mit Namen. Wir fahren mit der Motorpiroge auf dem Chari, sehen eine ganze Flußpferdfamilie aus der Nähe. Viele Einladungen, Besuch auf dem Markt. Erstaunlich: Viele Menschen kennen uns wieder.

Die Zeit vergeht wie im Flug. Wir wollen unseren nächsten Plan verwirklichen, die nordöstliche Umfahrung des Tschadsees, direkt in den Niger bei N`Guigmi. Wir haben keine Mitfahrer, wie wir überhaupt kaum Alleinreisende auf der ganzen Tour getroffen haben, lediglich einige geführte Gruppen. Wir wählen die Strecke über Tourba, starten vom Hadjer el Hamis, dem Elefantenfelsen aus, den wir noch einmal besucht haben. Weiter geht es über Doum-Doum, Ngarangou, Bol, Kaya, Liwa, Rig-Rig, Douboua nach N’Guigmi. In Bol treffen wir am Samstag ein, trinken mit dem Polizeichef ein Bier in der Bar, erhalten den Ausreisestempel aus dem Tschad. In einem von Italienern gegründeten Landwirtschaftsprojekt dürfen wir für die Nacht stehen.

 

Oft sind die ursprünglichen Pisten durch Wasser verlegt, wir müssen weite Umfahrungen in Kauf nehmen. Es ist schön hier, viele Pflanzen, viele Vögel und nette Menschen in den kleinen Dörfern. Wir sind begeistert, obwohl wir praktisch tagelang in schrecklichem Fech-Fech fahren. So hat unser „Mitsu“ innen noch nie ausgesehen. Gott sei Dank haben wir uns die 200.000er IGN Karten für diese Gegend besorgt; wie unverzichtbar sie hier wirklich sind, merken wir, als uns ein wichtiges Blatt fehlt. Von Liwa aus gibt es noch eine kürzere Strecke direkt nach Daboua, aber wir haben keinen genaueren Informationen so daß wir fürchten uns zu verfranzen.

Also nach Rig-Rig, malerisch zwischen weißen Dünen im tiefen Sand. Hier gibt es Polizei, Gendarmerie, Zoll und einen Sous-Préfect. Allerdings haben wir so eine intensive Schnorrerei wie hier schon lange nicht mehr erlebt und sind erleichtert, als wir endlich wieder fahren können.

Nun ist die Republik Niger nicht mehr weit, in N’Guigmi werden wir freundlich empfangen. Hier gibt es keine Bank und wir sind erleichtert, als uns die Polizei 5000 FCFA- Afrique Central gegen 5000 FCFA - Afrique de l’Ouest tauscht, sogar ohne Abschlag. Ansonsten ist N’Guigmi der letzte Ort an dem man diese FCFA ausgeben kann, allerdings mit 10% Abschlag. Das hatten wir nicht gewußt und sind froh, daß wir den grossen Betrag schon in N’Djamena privat getauscht hatten. Im Niger und weiter westlich nimmt keine Bank dieses Geld zum Tausch an.

Wir treffen Pepe, den Guide eines Reiseveranstalters, und sind abends bei einem seiner Freunde zum Essen eingeladen. Im Hof einer Werkstatt parken wir ruhig während der Nacht. Dann geht es nach Niamey auf guten Teerstrassen. In Diffa schließen wir die Versicherung mit der „Carte brune“ für ganz Westafrika einschließlich Mauretanien ab. Nur ca. DM 65,-- kostet das für einen Monat. Das einzige Problem ist das Geld dafür, denn in Diffa gibt es keine Bank. Ein Händler tauscht uns französische Francs, leider zu einem schlechten Kurs. Gut, daß wir die Versicherung haben, sie wird häufig kontrolliert. In der Hauptstadt wird uns dann der Wunsch nach einem Stück Käse fast zum Verhängnis. Wir wissen nicht, wo sich der Score-Supermarkt befindet, wollen fragen. Das nimmt ein eifriger Polizist als willkommene Gelegenheit, unsere Papiere zu prüfen, schließlich stehe ich ja neben dem Auto und der Motor läuft noch. Leider bemerkt der Beamte auf dem internationalen Führerschein den Vermerk „gültig bis 1994“. Anstelle der verlangten 15.000 einigen wir uns auf 7.000 FCFA. Er wünscht uns „Gute Reise“ und meint, Madame solle nicht so nervös sein bei solch einer Sache, das wäre doch kein Problem. Nördlich von Niamey fahren wir auf den alten Campingplatz „Rio Bravo“. Wir sind etwas gerührt, als man uns dort noch kennt, nach immerhin sechs Jahren. Natürlich gibt es wieder eine schöne Pirogenfahrt auf dem Niger zu den Dörfern am Ufer. Wir bleiben drei Tage, ein ruhiger schöner Platz direkt am Fluß.

Nun geht es beschleunigt weiter Richtung Heimat. Niger, Mali und Mauretanien sind auf dieser Reise nicht für größere Besichtigungen vorgesehen, wir haben diese Länder schon vorher ausgiebig bereist. So fahren wir über Gao, Hombori, Mopti nach Ségou und von dort aus nach Norden Richtung Nema. Eigentlich wollen wir über Nara fahren, aber wir erwischen eine Nebenpiste, die direkt ohne Kontrolle nach Adel Bagrou in Mauretanien führt. Das ist uns auch recht. Leider haben wir keine IGN-Karte von dieser Gegend dabei. Von Nema nach Nouakchott auf mehr oder weniger gutem Teer, dann auf den Campingplatz Terjit-Vacances. Unglaublich: Wir treffen Rik und Brenda aus Kanada, die wir vor 6 Jahren in Benin kennengelernt hatten. Seitdem sind sie nicht mehr in Afrika gewesen. Es ist gerade Silvester, Rik hat Rotwein im Kanister dabei, wir selbst sind völlig „trocken“.

Die unverschämten Führer fordern hier ca. DM 400,- pro Fahrzeug für die Tour über die Grenze nach Marokko, auch wenn drei oder vier Fahrzeuge zusammen fahren. Wir lehnen dankend ab, wollen lieber allein ohne Führer fahren. Kurz vor unserem Übertritt regnet es schrecklich die ganze Nacht, wir ziehen tiefe Spuren in den Mergel. Wer nach uns gefahren ist, brauchte bestimmt keinen Führer. Nach knapp zwei Stunden stehen wir an der marokkanischen Sperrkette am südlichen Grenzfort. Der Offizier ist begeistert, daß wir die Strecke allein bewältigt haben, erzählt uns von vielen Pannen mit unfähigen „Möchtegern-Führern“. Leider müssen wir fast drei Tage warten, bis wir nach Dakhla weiterfahren dürfen. Anscheinend bestand ein Problem darin, daß die Einreise nach Mauretanien nicht über Marokko geführt hatte und so die Personendaten noch nicht gespeichert waren. In Dakhla baden wir noch im Atlantik, ruhen uns dann auf dem Campingplatz von Guy und Eve in der Nähe von Goulimine bei gutem Essen aus. Dann Volltanken in Ceuta, es soll bis Deutschland reichen.

Mit der ISNASA setzen wir für rund DM 145,-- nach Algeciras über. Wir fahren Straße, verzichten auf die Autobahn in Spanien und Frankreich, bis auf das letzte Stück. Am letzten Tag wachen wir um 4 Uhr früh auf, das Thermometer nähert sich 0°C und wir haben noch Ceuta-Diesel im Tank. Also früher Start und Winterdiesel eingepumpt. Dann nach Hause.

Schön war’s, eine Superreise.

Danke an unseren Mitsu, der uns (bis auf 1 Platten und viermal Lichtmaschine Ausbauen zum Entstauben) nicht geärgert hat und sich nie über die vielen üblen Pisten beklagt hat.

Nachtrag: Dieser Reisebericht schildert die Situation 1997. Zwischenzeitlich hat sich die Lage im Nordtschad nach einer vorübergehenden Verbesserung wieder verschlechtert.

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