Mit dem Landy unterwegs.....

Bärbel und Bernds Afrikatour im Winter 1998/99

 

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junge Targia im Air

junge Targia im Aïr

Genau 100 Tage voller Erlebnisse und Eindrücke liegen hinter uns, als wir am 20. Januar 1999 wieder wohlbehalten in der Oberpfalz eintreffen. Und, um es gleich am Anfang zu sagen: Es war eine wunderbare Reise durch großartige Sahara- und Sahellandschaften. Eindrücke, die noch lange als schöne Bilder vor unserem geistigen Auge erscheinen werden, wenn uns der Alltag längst wieder in seinen festen Griff genommen hat. Wir haben neue Freunde gewonnen und alte Freunde und Bekannte wieder getroffen. Wir haben viele Herausforderungen angenommen und waren glücklich, wenn wir erfolgreich waren.

Wenn wir nun hier einige Reiseerlebnisse aufschreiben, dann können und wollen wir natürlich keinen Reiseführer ersetzen. Wer also nähere Informationen zu den besuchten Gebieten haben möchte, wird diese in der einschlägigen Literatur finden.

Hier nun ein Rückblick auf die Ereignisse, einigermaßen chronologisch:

Ende Juli 1998: Mit schweizer Freunden beschliessen wir eine gemeinsame Reise in den Niger. Geplant sind u.a. die Durchquerung der Ténéré- Wüste und eine Tour durch das herrliche Aïr- Gebirge. Es beginnen die umfangreichen Vorbereitungen. Eine Reise durch den Nord-Niger mit Ténéré und Aïr ist auch heute noch nicht ohne Risiko, waren doch diese Gebiete das Zentrum der Rebellion der Tuareg. Der Aufstand begann 1990, 1995 wurde endlich ein Waffenstillstand geschlossen, aber erst im Frühjahr 1998 kehrte im Aïr vorläufig Ruhe ein. Selbst heute gibt es in den Gebieten unserer geplanten Reise noch gewisse Gruppen, von denen man nie genau weiß, auf welcher Seite sie stehen und woher sie kommen. Praktisch unkontrolliert können sie zwischen den einzelnen Ländern durch Wüstengebiete hin- und herziehen.

Wir halten auch heute noch den ganzen Norden des Niger und des Tschad für nicht sehr sicher.

Am 11.10.98 können wir endlich starten. Es ist die erste Reise mit unserem neuen Landrover 130 CC, ausgestattet mit einer ziemlich komfortablen Wohnkabine, die uns bald den Spitznamen „Rentner-Jet“ für den Landy einbringt.

Bärbel mit LR 130 im Air

unser LR 130 auf einer Piste im Aïr

Unser Mitsubishi L300 4x4, der uns die vergangenen sieben Afrika-Reisen begleitete, hatte nur eine Höhe von 2,20 m, nun sind wir stolze 2,95 m hoch. Na immerhin man kann nun in der Küche aufrecht stehen und wir können uns die Unterhosen im Stehen anziehen. Ob das allerdings die Mühen beim Finden eines Platzes auf der Fähre und die Mehrkosten von rund DM 1000,-- dafür wieder wettmacht, ist zumindest fraglich. Das Schiff nach Tunis ist nur halbvoll und wir ärgern uns über den hohen Preis der Fährpassage, denn einheimische Passagiere fahren trotz hoher Dachlasten ohne Aufpreis mit.

In „Eilmärschen“ geht es auf Teerstrassen weiter durch Libyen, immer Richtung Süden. Die Ténéré ruft. Unser Ziel ist Sebha, die Hauptstadt des Fezzan, wo wir Balal, unseren jungen Tuareg-Führer treffen wollen. Balal begrüßt uns wie selbstverständlich an der ersten Tankstelle und geleitet die Kolonne zu seiner Mutter, die hier lebt. Natürlich werden wir alle eingeladen, am liebsten würden sie uns einige Tage dort behalten. Wie anders geartet ist doch die Gastfreundschaft hier bei uns den Fremden gegenüber! Am nächsten Tag geht es nach Al Katrun, der libyschen Grenzstation Richtung Tschad und Niger. Mohammed Tahar, genannt „Mammatar“, erledigt schnell und korrekt die Formalitäten mit den Behörden. Wir sind erstaunt über die geringe Forderung von nur LD 25 pro Person, das sind rund DM 12,50 nach dem inoffiziellen Kurs.

SüdlichTajarhi, dem letzten Ort in Libyen, geht es dann richtig los: Durch tiefe Sandfelder folgen wir Spuren Richtung Niger, Madama ist unser erstes Ziel. Dieses alte Grenzfort ist erst im letzten Jahr von Tubu-Banden überfallen und ausgeraubt worden. Die Piste bietet außer Tiefsand auch felsige und dann wieder schneller zu fahrende Passagen. Wir haben bald ein gemeinsames Tempo gefunden, mit dem alle Fahrzeuge gut fahren können. So geht es flott voran. Meistens fahren wir ganz hinten. Das vordere und hinterste Fahrzeug sind durch Funk verbunden, so kann kein Wagen verloren gehen. Mittags schalten wir häufig auf eine andere Frequenz und sprechen mit unserem Amateurfunkfreund Max in Deutschland. Die Fahrt durch herrliche, sehr abwechslungsreiche Saharalandschaften verstärkt unsere Vorfreude auf die Ténéré.

Wie können uns nicht satt sehen an den unterschiedlichen Formen und Farben der Felsen, an Sand in allen Schattierungen und dem zarten Grün der wenigen Pflanzen, die hier überlebt haben. Ab und zu flüchten Gazellen, aufgescheucht durch unsere Motorgeräusche.

Leider gibt es, noch vor Madama, ein Problem: Bei dem Mercedes-G versagt die Kupplung und alle Versuche unseres Autospezialisten bringen nur eine vorübergehende Besserung. Auch die Soldaten in Madama sind mit ihren Reparaturtricks bald am Ende. Die Manschetten der Kupplungszylinder sind undicht, ein Reparatursatz ist nicht an Bord.

Gut, dass wir unsere Amateurfunkverbindung haben. Max ist aktiv und bestellt je einen Reparatursatz für den oberen und unteren Kupplungszylinder beim ADAC. Die Teile werden tatsächlich rechtzeitig in Tamanrasset eintreffen, um den Weitertransport nach Agadez müssen wir uns selbst kümmern. Der Wagen muss von nun an ohne Kupplung auskommen, im Sand oft eine mühsame Aufgabe.

Madama liegt bald hinter uns, begeistert hat das Militär seinen Freund Balal begrüßt. Bernd durfte sogar durch die Befestigungsanlagen hindurch ins Fort, um einen Reparaturversuch an der SAT-Antenne zu machen.

Bald verlassen wir die tiefen Spurrillen der Lkw’s, suchen uns einen anderen Weg näher am Djado-Plateau. Hier ist natürlich auch die Wahrscheinlichkeit geringer, auf irgendwelche Gruppen zu treffen, die uns vielleicht nicht wohl wollen

Im Niger vor Madama, nig_tsa2_18

im Niger, zwischen Madama und Ténéré

Unser nächstes Ziel ist die Balise 13 der Berliet-Expedition 1960 und damit der Rand der Ténéré. Von erhöhten Punkten hatten wir schon vorher einen überwältigenden Ausblick auf die weiten Sandflächen. Rund 4000 km haben wir seit unserem Wohnort zurückgelegt, als wir an der Balise ankommen.

Wir halten nun etwas Westkurs, bevor wir Richtung Südwest auf die Falaise von Achegour zufahren. Bizarre Felsformationen erheben sich hier aus den weiten Sandflächen. Hier werden wir für die Nacht in völliger Einsamkeit bleiben. Abends versorgen wir die Fahrzeuge, füllen Diesel nach und sitzen anschließend zusammen. Nicht selten gibt es für alle ein besonderes „Schmankerl“ aus der schweizer 5 Sterne-Küche. Wir fühlen uns alle wohl, haben keine Probleme miteinander. Der Brunnen von Achegour steht am Morgen auf dem Programm, bevor wir erneut nordwestlich ausweichen, um eine möglichst leichte Strecke für den Mercedes zu finden. Wir kommen gut voran, nur geht leider einer unserer Wünsche nicht in Erfüllung: Wir hätten gern den ehemaligen Standplatz des „Arbre du Ténéré“ besucht, auch wenn sich dort heute nur noch eine Gedenktafel befindet. Von dem Baum stehen noch Teile im Nationalmuseum in Niamey. Schon am 01.11.98 kommen wir in Agadez an und finden einen ruhigen Nachtplatz im Hof von Balal.

Im Air, Tuareg, nig_tsa3_21

Im Air

Moschee von Agadez, nig_tsa3_26

Die Moschee von Agadez

Auch hier treffen wir wieder auf eine große Gastfreundschaft und sehen so ganz nebenbei, wie unterschiedlich das Leben der alten und jungen Tuareg-Generationen sein kann: Während die „grande mère“ ihr Mattenzelt im Hof aufgeschlagen hat und von einem „richtigen“ Haus nichts wissen will, leben Balal und seine junge Frau Aïcha in diesem Haus mit Telefon und Fernseher. Wir haben genügend Zeit, unsere Studien zu treiben, bevor wir mit Balal und seinem Freund Tambo zur Rundfahrt ins Aïr-Gebirge aufbrechen.

bei El Meki im Air
Oase Timia im Air, nig_tsa4_33

Oase Timia im Air

bei Iferouane im Air

Es wird es eine wunderbare Tour, in deren Verlauf wir über El Meki nach Timia kommen, einer bezaubernden Oase mit schönen gepflegten Gärten inmitten hoher Felsen. Wir werden vom Dorfchef mit großer Herzlichkeit empfangen.

Für uns veranstaltet man ein Tam-Tam, eine Tindé, bei der die Männer des Dorfes zu Trommelklängen und Gesängen der Frauen diesen auf dem Dorfplatz vortanzen. Wir haben viel Spaß beim Zusehen, denn von unseren Ehrenplätzen aus können wir alles gut verfolgen. Gekleidet sind wir in traditionelle Tuareg-Gewänder, die wir vom Dorfchef geschenkt bekommen haben. Einer der Höhepunkte ist dann sicher der völlig überraschende Tanzauftritt von Bernd, der sich gemeinsam mit Tambo vor den Frauen präsentiert. Alle sind begeistert! Die Stimmung ist fröhlich und ausgelassen.

Marmorberge be Kogo, nig_tsa5_9

Marmorberge bei Kogo

hübsches Mädchen bei Kogo, nig_tsa5_43

....bei Kogo

Wir können uns auf der Weiterreise nicht satt sehen an den landschaftlichen Schönheiten wie den blauen Felsen von Kogo, dem von Dünen umgebenen Adrar Chiriet und vor allen Dingen der „pince des crabes“. Eigentlich heißt diese Sehenswürdigkeit Arakoua. Felsen umfassen Dünen unterschiedlicher Färbung wie eine Krabbenschere, es ist ein überwältigender Anblick.

nördl. Pince de Crabe, nig_tsa5_17

Übernachtung in den Dünen

"Die Krabbenschere", nig_tsa5_25

Die “Krabbenschere”

Gern würden wir hier einige Tage bleiben und umherstreifen, aber der Fährtermin unserer Freunde steht fest und erlaubt keinen längeren Aufenthalt. In nur zwei Tagen geht es zurück nach Agadez. Für unsere Freunde nähert sich nun das Ende der Reise, Es bleibt ihnen, und später uns beiden noch die lange Fahrt durch die Ténéré nach Djanet in Algerien, dann weiter bis Tunis zur Fähre.

Der Abschied schmerzlich, wir hatten uns sehr aneinander gewöhnt.

Wir beide haben aber noch fast zwei Monate Zeit und starten nun allein über Tanout, Zinder und Diffa nach N'Guigmi am Tschadsee.

Je weiter wir Richtung Osten vorankommen, desto mehr scheint sich die Treibstoffversorgung zu einem Problem zu entwickeln. Als wir nur noch Kanisterware teuer angeboten bekommen, tut es uns Leid, dass wir in Zinder nicht noch weitere 140 Liter Diesel in den zweiten Zusatztank gefüllt haben. Insgesamt können wir 400 Liter tanken. Die Sucherei nimmt viel Zeit in Anspruch, bald merken wir, dass wir N’Guigmi nicht mehr vor Einbruch der Dunkelheit erreichen können. Nur rund 300 Meter abseits der Teerstraße finden wir einen ruhigen Platz zwischen Büschen. Wir bleiben nicht lange allein.

Bald lernen wir „Schefu“ kennen. Er gehört zu den Wodabé, einer Peul-Gruppe.

Ganz in der Nähe lagert seine Familie mit ihrer großen Rinderherde. Sehr freundlich begrüßen sie uns und bringen Matten und Milch, als wir ihnen bedeuten, dass wir hier übernachten wollen. Wir fahren erst am dritten Tag weiter, so sehr gefällt uns der Aufenthalt bei ihnen. Als Bewohner eines „Komfort-Mobils“ können wir uns nicht vorstellen, wie man nur unter freiem Himmel existieren kann, ohne Hütte, ohne Zelt. Schefu lebt mit seinen drei Frauen und der Mutter inmitten seiner Tiere.

Vorratskörbe bei den Wodabe

Vorratskörbe bei den Wodabé

Gleich neben den Betten, die aus einem Bambus-Gestell bestehen, sind die Kälber angebunden, ringsherum lagern die ausgewachsenen Watussi-Rinder mit ihren riesigen Hörnern. Als Schefu uns später im Dunkeln mitten durch die Tiere zu seiner Mama führt, ist Bärbel etwas mulmig zumute. Bald ist die Familie recht zutraulich und demonstriert uns ihre Probleme. Hauptproblem: Gomba hat unerwartet Zwillinge bekommen, aber die Brust ist völlig leer. Bärbel erinnert sich daran, dass man notfalls aus Milch und Wasser ein für Babys verträgliches Getränk herstellen kann, und zeigt Gomba, wie man das macht. Hungrig trinken die nur wenige Wochen alten Kleinen vom Teelöffel. Für die „Großen“ kocht Bärbel regelmäßig Pudding, besonders beliebt bei „unseren“ Wodabé ist der Schokoladen-Geschmack.

Beim Abschied schenken uns unsere neuen Freunde hübsch verzierte Kalebassen-Schalen, die sie selbst angefertigt haben. Alle sind traurig und winken noch lange hinter uns her...

N'Guigmi, ehemaliges See-Ufer

N'Guigmi, noch vor 16 Jahren war hier das Seeufer, heute ist es 20 km entfernt

Kaum in N'Guigmi angekommen, treffen wir Modo, der uns sofort wieder erkennt. Als wir letztes Jahr aus dem Tschad kommend hier durchfuhren, hatten wir ihn kennen gelernt. Heute hilft er uns bei den Behörden und besorgt uns verhältnismäßig günstigen Diesel. Für die Rückfahrt planen wir mit ihm eine Tour zum Termit -Massiv in der Ténéré. Dann passiert uns ein kleiner taktischer Fehler: Modo meint, es sei besser, noch am Nachmittag weiter Richtung Tschad zu fahren, weil wir dann besser die Spuren der großen Lkws verfolgen könnten, die gerade in Richtung Baga Sola am Tschadsee aufgebrochen sind. Eigentlich haben wir diese Hilfe nicht nötig, würden aber gern noch die Grenze zum Tschad passieren, um nicht morgens eine eventuell noch geschlossene Grenze vorzufinden. Wir kennen die Strecke nordwestlich um den See herum nach N’Djamena schon vom letzten Jahr. Sie ist durchgehend sehr tiefsandig und zum größten Teil extrem staubig. Auf den ersten vierzig Kilometer bis zum Grenzort Daboua fahren wir fast immer in den tiefen Spurrillen der Lkw’s. Der Landy bewährt sich hier noch etwas besser als unser Mitsubishi-Bus, weil die Spurweite besser passt und wir durch die Starrachse vorn mehr Bodenfreiheit haben. Die Piste verläuft recht nah am ehemaligen Seeufer, dauernd passieren wir eingetrocknete frühere Buchten mit unterschiedlichem Bewuchs.

An der Grenzstation, die „Police“ residiert in einer Lehmhütte ohne Licht und fast ohne Einrichtungen, finden wir die Lkws noch vor Wir sollen aber noch vor der abendlichen Grenzschließung abgefertigt werden. Zum ersten Mal auf dieser Reise möchten die „Beamten“ in unsere Villa einsteigen und natürlich in jedes Fach sehen , es könnte ja auch etwas Nützliches zu finden sein. Zwei Beamte nacheinander sollten eigentlich genug sein, aber ein offensichtlich angetrunkener Angehöriger des Militärs begehrt auch noch Einlass. Recht rüde meint er sinngemäß, sie lebten hier „en brousse“ und es sei unsere Pflicht, sie zu versorgen. Gott sei Dank können wir so viel Französisch, dass wir ihm klar machen können, dass das wohl doch Aufgabe seines Staates sei. Das war der erwähnte „taktische Fehler“. Es wäre sicher besser gewesen, die Grenzkontrolle auf den Vormittag zu legen um damit zu vermeiden, auf angetrunkene Grenzorgane zu treffen. Weiter hinten im Dorf folgt noch eine Zollkontrolle. Hier können wir eine erneute „Besteigung“ zum Glück dadurch verhindern, dass wir dem Zollchef einen privaten Brief aushändigen, den wir aus N’Guigmi für ihn mitgebracht haben. Dann reicht es uns aber endgültig.

Am Ortsende, es wird bald dunkel, folgt noch eine Nachkontrolle, die uns recht barsch auffordert, sieben Säcke Zucker auf dem Dachträger bis Kiskawa mitzunehmen. Notgedrungen einigen wir uns auf drei Säcke, haben aber nicht damit gerechnet, dass nach der Verladung auch noch der Besitzer aufsteigen will, und weigern uns kategorisch. Wir sind froh, als wir endlich schwer beladen weiterfahren können.

Wir wissen, dass nach rund sieben Kilometern eine wichtige Abzweigung kommt, natürlich ohne jede Bezeichnung. Die GPS-Koordinaten hatten wir uns aber Gott sei Dank schon bei unserer letzten Reise notiert. Kurz vor diesem Punkt treffen wir noch einen Lkw an, der seine Ladung verloren hat und natürlich auch auf unsere Hilfe zählt. Ziemlich genervt halten wir an der Pistenverzweigung und richten uns für die Nacht neben den Häusern einer aufgegebenen Siedlung ein. Gegen 22.30 Uhr dröhnt ein Lkw heran, hält neben uns an. Der Besitzer der Zuckersäcke ist an Bord und will die drei Säcke umladen. Na prima!. Nun können wir endlich schlafen.

Die Abkürzung über ausgetrocknete Bereiche des Tschadsees die wir nun befahren, führt direkt nach Kiskawa, einem ärmlichen Nest. Hier gibt es fast keinen Verkehr, nur selten kommen Versorgungsfahrzeuge durch.

Wir fahren ganz langsam und sehen dadurch viele grosse Vögel und auch wieder Gazellen, die hier nicht sehr scheu sind. Auch mit dem Wetter haben wir im Gegensatz zum vorigen Jahr Glück, es ist klar und sonnig. Nun können wir die Fotos nachholen, die uns im vergangenen Jahr hier nicht geglückt sind. In einer Anwandlung von übertriebener Sparsamkeit hatten wir da nämlich zehn überlagerte Filme verwendet, die noch dazu einige Wochen bei über vierzig Grad im Container in Douala (Kamerun) geschmort hatten.

Bald kommen wir nach Liwa, einem großen Dorf, umgeben von tiefem Sand. Bei zwei Polizeistationen möchte man unsere Namen in die bekannten „Großen Bücher“ eintragen und erwartet natürlich auch ein „Cadeau“, ein kleines Geschenk. Besonders beliebt sind außer diversen Schreibgeräten auch Streichhölzer in flachen Schachteln, wie man sie bei uns als Werbegeschenke verwendet. Bei der Abfahrt aus Liwa folgt uns eine Kinderschar. Als wir nicht anhalten, um sie zu beschenken, werfen sie mit Steinen hinterher, der linke Rückspiegel geht leider zu Bruch. Wir fahren zurück zur Polizei und berichten. Man bedauert und entschuldigt sich für den Ort. Die südliche Ausfahrt ist völlig versandet, wir folgen den neuen Spuren, die als tiefe Spurrillen östlich aus Liwa Richtung Kaya führen.

Watussi-Rinder auf der Piste, nig_tsa7_24

Watussi-Rinder auf der Piste

Kouri-Ring, Schwimmhörnern,nig_tsa9_29

Kouri-Rind mit Schwimmhörnern

Unser nächstes Ziel ist Bol, ein Verwaltungsort der früher direkt am Ufer des Sees lag. Hier hat man schon seit langer Zeit versucht, in ehemaligen Seearmen Ackerbau zu betreiben und zur Be- und Entwässerung ein kompliziertes System von Pumpen und Kanälen angelegt. Wir müssen in Bol die offizielle Einreise machen, erst hier wird der Einreisestempel erteilt. Die Formalitäten sind schnell und korrekt erledigt, kein Vergleich zu Daboua. Wir übernachten in einem landwirtschaftlichen Projekt, hier kennt man uns noch und zeigt uns gleich unseren alten Übernachtungsplatz. Morgens dann eine Überraschung: Wir lernen den wissenschaftlichen Leiter des Projekts kennen, er spricht perfekt deutsch. 14 Jahre hat der Wissenschaftler in Deutschland gelebt, dort studiert. Die Freude ist natürlich groß und noch größer, als man feststellt, dass er in Göttingen studiert hat, wo Bärbel geboren ist Wir wissen, dass wir auf der Rückreise wieder hier vorbeikommen werden und verabreden schon jetzt eine Besichtigung der Bewässerungsprojekte mit ihm zusammen.

See-Arm bei Bol

Seearm bei Bol

Von Bol aus führt eine Piste über N’Gouri und Massakori in Richtung N’ Djamena. Die Piste ist vor vielen Jahren trassiert worden und sollte vielleicht auch später befestigt werden. Aber im Tschad herrschte fast pausenlos Krieg seit 1964, und so war an eine Fertigstellung nicht zu denken. Aufgeschüttet wurde die Piste aus Bodenmaterial des ehemaligen Sees, einem feinen, staubartigen Muschelkalk. Manchmal finden wir eine recht feste Oberfläche, oft fast bodenlose Staublöcher, häufig riesige Krater in denen unser Wagen leicht verschwinden könnte. Tief unten wachsen Bäume. Es ist ein mühevolles Vorankommen, wir ziehen eine kilometerlange Staubfahne hinter uns her. Hier fragen wir uns dann doch gelegentlich, warum wir ausgerechnet hierher fahren mussten. Diese Gedanken verschwinden dann aber schnell wieder, als wir endlich nach fast 7000 Kilometern Douguia am Chari erreichen. Der Staub und die Mühen sind bald vergessen, als wir unsere Freunde im dortigen Jagdcamp treffen und uns nach der herzlichen Begrüssung im klaren Wasser des Pool erholen. Anschliessend geniessen wir die französische Küche hier und Bernd trinkt das erste frische Bier seit längerer Zeit.

Wir campen unter hohen Bäumen auf unserem alten Platz direkt am Chari, viele Affen finden Gefallen an unserem Landy und hocken oft auf Dach und Motorhaube. Öfter pissen sie auch darauf. Wir wissen bis heute nicht, ob das ein Ausdruck von Begeisterung sein soll, oder eher nicht.

Die nächsten Tage verlaufen recht faul. Wir reinigen und versorgen unseren Landy, kümmern uns um die Wäsche, machen Reiseaufzeichnungen, gehen auf den einheimischen Markt. Einmal fahren wir in die Hauptstadt, auch hier sind wir wieder eingeladen. Außerdem backt Bärbel zweimal Brot im Steinbackofen des Restaurants, eine willkommene Abwechslung nach dem häufigen Weißbrot.

Von hier aus wollten wir eigentlich noch eine Tour ins Ennedi im Nordost-Tschad machen. Dort waren wir schon im vergangenen Jahr, würden aber die besondere Schönheit dieser Gegend gern noch einmal sehen.

Leider taucht bald ein Problem auf: In N' Djamena gibt es offiziell keinen Diesel, alle Tankstellen sind leer. Lediglich auf dem Schwarzmarkt gibt es die wertvolle Flüssigkeit zu hohen Preisen. Während Diesel im Niger an der Tankstelle noch rund 285 FCFA (1000 FCFA= ca. DM 3,---) kostet, verlangt man hier bis zu 600 FCFA. So verwerfen wir die Weiterfahrt ins rund 1500 km entfernte Ennedi und versuchen lieber, genug Diesel für die Rückfahrt aufzutreiben.

Auch hier helfen uns Bekannte und besorgen uns 270 Liter zum günstigen Preis von 325 FCFA pro Liter. Der Sprit kommt nachts in 45 Liter- Kanistern auf Pirogen (Boote in Einbaumkonstruktion) über den Chari-Fluss aus Kamerun. Zum Ein- und Umfüllen bewährt sich unsere neue Tauchpumpe, mit der wir den Sprit problemlos in die Tanks verteilen.

Die hohen Kosten und die Unsicherheit der Versorgung ermuntern uns nicht gerade zur Weiterfahrt Richtung Ennedi. Noch dazu haben wir erfahren, dass unser alter Bekannter, der Sous-Préfet von Fada inzwischen abgelöst wurde, wir also dort keinen vertrauten Anlaufpunkt mehr haben.So beschließen wir, unseren Aufenthalt hier im Camp zu verlängern und „richtig Urlaub“ zu machen, mit Faulenzen, Sonnen, Schwimmen und dem abendlichen guten Essen im Restaurant. Wir brauchen 17 Tage bis uns so richtig klar wird, dass es noch ein weiter Weg zurück nach Bayern ist, und verabschieden uns schweren Herzens nach unserem nunmehr dritten Besuch in Douguia.

Über die mühsame Staubpiste erreichen wir wieder Bol und treffen unseren neuen Bekannten dort wie geplant. Die Rundfahrt über die Polderprojekte ist hochinteressant, zeigt uns aber auch bald die tiefen Unterschiede zwischen Wunsch und Wirklichkeit im Tschad, wie auch in den meisten afrikanischen Ländern. So ist zum Beispiel die gesamte Be- und Entwässerung an starke Motorpumpen gebunden, die mit Diesel arbeiten. Diesel ist aber zur Zeit knapp und teuer. Alle Pumpen stehen still, die Ernte kann nicht ausgebracht werden. Die Menschen hier sind verzweifelt und wir sind traurig mit ihnen, sehen die Hoffnungslosigkeit und die Fragwürdigkeit solcher Projekte. Zu Hause haben wir ein Buch mit dem Titel „Schnee für Afrika“, der diesen Sachverhalt bebildert. Für unseren Freund bleiben die Erinnerungen an 14 Jahre Deutschland und die Frage nach dem Sinn der Rückkehr in den Tschad.

....schreckliche Piste

schreckliche Piste

Wir fahren die gleiche Strecke nordöstlich um den See herum zurück. Am letzten Tag vor N’Guigmi beginnt ein schrecklicher Staubwind mit weißem Staub, der die Sicht auf weniger als hundert Meter reduziert. Wir können keine Fenster öffnen. In N’Guigmi angekommen, können wir an unsere geplante Tour zum Termit-Massiv nicht denken. Der Staub ist so stark, dass alle Menschen aussehen, als wäre ihre schwarze Haut mit weißem Puder bedeckt. Abends essen wir mit Modo und einem weiteren Bekannten, dem Fotografen von N’Guigmi. Ich möchte ihm gern ein Objektiv und meine ältere Pentax schenken, aber wie soll sie von Deutschland dort hinkommen?

Diesel für die Weiterfahrt gibt es wieder nicht, wir sind froh, dass wir noch genug bis Birni’n Konni haben. Dort haben wir Glück und können alle Tanks füllen. Dann nehmen wir Kurs auf die Hauptstadt des Niger, Niamey. Auf der deutschen Botschaft wollen wir unsere Zweitpässe mit den Algerischen Visa abholen. Nur einmal pro Woche kommt der Kurier aus Bonn, nämlich Freitags, spätabends. Heute ist Mittwoch. Die drei Wartetage verbringen wir am Niger, auf dem alten Campingplatz von „Rio Bravo“. Auch hier kennt man uns noch, auch hier sind wir zum dritten Mal. Buk macht eine lange Pirogentour zum Freundschaftspreis mit uns. Leise gleitet der Einbaum über den Fluss, wir sehen viele schöne bunte Vögel, seltene Pflanzen. Bei einem kleinen Dorf landen wir an und besuchen den sehr ursprünglichen Markt. Es ist schön hier und wir fühlen uns wohl bei diesen Menschen.

Etwas unruhig sind wir trotzdem weil wir noch nicht wissen, ob unsere Visa wirklich rechtzeitig ankommen werden. In der Botschaft ist man dankenswerterweise bereit, für uns am Samstag in die Botschaft zu fahren und nach unserem Brief zu sehen. Wir sind natürlich sehr froh, als wir die sehnlichst erwarteten Pässe an diesem Tag in Empfang nehmen können.

1000 km liegen zwischen Niamey und Agadez, für uns inzwischen keine große Entfernung mehr. Wie wir erfahren, gilt der nördliche Abschnitt zwischen Tahoua und Agadez inzwischen auch als ziemlich sicher. Es gäbe viel zu erzählen über die Fahrt durchs Haussa-Land, über die hübschen kleinen Dörfer mit ihren Rundhütten, den gepflegten Feldern und später dann, weiter im Norden, über die Tuareg- Frauen, die ihren Ziegenkäse an der Straße anbieten, und die immer ärmlicher werdenden Siedlungen.

Am zweiten Tag sind wir in Agadez und steuern zuerst Aminas Solani-Stube an. Leider war gestern totaler Stromausfall und der gesamte Rest dieses wohlschmeckenden Sauermilchgetränks ist verdorben. Im Ort tanken wir gleich voll, damit wir genug Diesel für die lange Rückfahrt bis Algerien an Bord haben. Über die Feiertage, es ist kurz vor Weihnachten, werden häufiger Fahrten mit Flugtouristen ins Aïr unternommen, da ist der Diesel schon öfter knapp geworden.Bei Balals Familie freuen sich alle über unsere gesunde „Heimkehr“. Balal ist unterwegs, wird aber in den „nächsten Tagen“ zurückerwartet. Das Telefon funktioniert natürlich wieder nicht, so gibt es von ihm keine Nachricht. 10 Tage werden wir auf ihn warten müssen, aber das wissen wir am Anfang Gott sei Dank noch nicht. Die Tage in Agadez vergehen viel zu schnell. Wir unterhalten uns viel mit der Familie, ausserdem kommen viele Besucher, die die Freunde aus Deutschland kennen lernen wollen. Auch Begünstigte des „Schweizer Brunnenprojektes“ sind öfter dabei und möchten mit uns diskutieren. Natürlich zieht es uns auch oft in die berühmte alte Stadt. Bernds liebster Platz ist inzwischen die Terasse des Hotel de l’Aïr mit Ausblick auf die berühmte Moschee und das rege Treiben drumherum. Ein frisches Bier dazu, eigentlich könnte es immer so weitergehen.....Abdou besorgt inzwischen die notwendige Genehmigung für unsere neue Reise ins Aïr von den verschiedenen Behörden. Bald heißt es dann Abschiednehmen, wieder liegt eine längere „Alleinstrecke“ vor uns. Die ersten drei Tage wollen wir aber mit Balal und seinem Fahrer Labo zusammen fahren. Ganz überraschend fährt dann auch noch Aicha mit, Balals junge Frau. Kaum zu glauben: Sie war bisher noch nie im Aïr, hat noch nie eine Düne gesehen (!).

Nördlich von Agadez auf der Teerstraße Richtung Arlit gibt es bald ein kleines Problem: Eine Polizeikontrolle, die offensichtlich nur auf Abkassieren aus ist, macht Balal wegen seines Toyotas Probleme. Sie behauptet, der Wagen sei mit einer abgelaufenen technischen Inspektion, bei uns „TÜV“ genannt, unterwegs. Ein echter Witz, denn so etwas gibt es im Niger gar nicht. Das Schweizer Kennzeichen hat sie wohl gelockt.

Iférouane ist heute unser Ziel, ein wunderschöner Ort in den Bergen. Alles ist etwas offener und großräumiger angelegt als in Timia. Das Militär kontrolliert am Ortseingang das Routenpapier, auch bei der Préfecture müssen wir erscheinen. Balal hat Freunde beim Dispensaire, der Krankenstation. Dort finden wir auch einen guten, geschützten Nachtplatz. Das Artisanat ist nicht besetzt, die Händler laufen gerade einer französischenTouristengruppe hinterher und lassen uns in Ruhe. Es gefällt uns sehr in Iférouane, trotzdem fahren wir bald weiter. Die Fahrt mit Führer ist keine billige Angelegenheit, jeder Tag zählt. Die Landschaft wird nun, wir fahren Nordkurs, immer wilder. Die Strecke führt anfangs durch Granitfelsen mit allen nur denkbaren Formen. Oft erkennt man noch die ehemals von den Franzosen zur Kolonialzeit angelegte befestigte Piste. Schade, dass wir uns hier nicht einige Tage aufhalten können. Bei einem breiten Wadi biegen wir in östlicher Richtung ab, unser Ziel ist der Brunnen Tezirzek, kurz vor Verlassen des Aïr beim Adrar Chiriet. Inmitten von Akazien und anderen Bäumen liegt der Brunnen mitten im Wadi, das malerisch von Dünen gesäumt ist. Hier gab es auch einen inzwischen aufgegebenen Rebellenstützpunkt. Wir folgen dem Wadi und suchen uns einen dann abseits einen schönen Platz in den Dünen. Heute kocht Bärbel für alle im „Rentner-Jet“. Es gibt frische grüne Bohnen (vom Gemüsemarkt in Agadez), dazu Kartoffeln und Corned Beef. Am Morgen geht es dann weiter zum Adrar Chiriet, dem großen Granitberg am Ausgang zur Ténéré. Hier befindet sich auch eine Landepiste, die während der Rebellion große Bedeutung hatte. Bevor wir ins Massiv einfahren, hat Balals Toyota eine Reifenpanne und wir staunen einmal wieder über das Gottvertrauen (..inch Allah) unserer Touaregfreunde, denn Werkzeug und Flickzeug sind nicht an Bord. Wie man sieht, schickt Allah dann ja auch rechtzeitig einen gut ausgerüsteten Touristen.

Wir tauchen bald in die Dünen ein, folgen einer Piste in Richtung auf die berühmten „Blauen Berge“, den „Montagnes Bleues“.

"Montagnes bleues", Adrar Chiriet

"Montagnes bleues", Adrar Chiriet im Hintergrund

Es handelt sich um Marmorfelsen inmitten weiter Sandflächen, die unter bestimmten Lichtverhältnissen blau schimmern. Ein herrlicher Anblick! Schon in der Zeitschrift GEO hatten uns schöne Fotos davon begeistert. Wir finden einen malerischen Nachtplatz. Heute kochen Bärbel und Aicha gemeinsam das Sylvesteressen, Couscous mit frischem Gemüse. Es wird ein unvergesslicher Abend am Lagerfeuer. Wir bleiben auch noch am Neujahrstag hier, unsere Tuareg-Freunde haben die Rückfahrt nach Agadez angetreten. Von hier aus wollen wir nun allein direkt durch die nördliche Ténéré nach Djanet in Algerien fahren.

Wir erwarten keine Probleme, sind aber doch etwas angespannt wegen der langen einsamen Strecke ohne Begleitfahrzeug. Jeden Tag übermitteln wir Max unsere aktuelle Position und das für den nächsten Tag geplante Ziel. Die Sicht ist nicht sehr gut, als wir starten. Über flache, leicht zu fahrende Sandflächen erreichen wir die Pointe Berliet, die südliche Spitze einer flachen Hügelkette mit der Balise 18 der Berliet- Expedition 1960.

Pointe Berliet und Landy 130 mit Kabine

Pointe Berliet

Hier finden sich zwei frische Spuren, die aber nicht in die geplante Richtung laufen. An der Nordwestecke hatten wir eigentlich ein Spurenbündel erwartet, das vom Adrar Bouss kommen sollte, konnten aber nichts finden. So fahren wir unseren berechneten Kurs, vertrauen unserem GPS. Stundenlang geht es über völlig unberührte Sandflächen. Ab und zu finden wir Werkzeuge, Reibschalen und Schüsseln aus der Steinzeit. Kaum zu glauben, dass es hier früher eine Vegetation mit Besiedlung gegeben hat. Wir nehmen keine Artefakte mit, gibt es doch leider schon zu viele Saharafahrer, die es nicht lassen können, mit solchen Fundstücken ihre Wohnung auszustaffieren.

Wir nähern uns nun der algerischen Grenze, sind aber immer noch nicht auf einem deutlichen Spurenbündel. Hier ist die Gefahr einer unliebsamen Begegnung ziemlich gering, so schlafen wir ruhig hinter einem kleinen Hügel. Am nächsten Tag schneiden wir die mit Stangen balisierte Piste an, die von Chirfa kommt. Schnurgerade läuft die alte Piste in unsere Richtung, wir finden aber keine frischen Spuren. Am Adrar Mariou steuert uns plötzlich ein Toyota mit Blaulicht an. Wir wissen von diesem versteckten Militärposten und sind vorbereitet. Man ist offensichtlich erstaunt über ein einzelnes Fahrzeug, das aus Richtung Niger kommt. Im Lager kontrolliert man freundlich unsere Pässe und schickt uns dann weiter Richtung Djanet.

Blick auf Djanet vom Hotel Ténéré

Blick auf Djanet vom Hotel Ténéré

Dort klappt die Einreise ohne Probleme denn unsere schweizer Freunde hatten uns schon angemeldet. Wir sind froh über den bisherigen Verlauf und gönnen uns aus diesem Grund ein mehrgängiges Menu im Hotel Ténéré. Hier gab es die letzten Touristen im Oktober. Es ist ein echter Jammer!. Wir bleiben noch einen Tag länger und unternehmen Ausflüge in das herrliche Tassili. Bei der Weiterfahrt Richtung Norden passieren wir die bekannte Strecke über das Fadnoun-Plateau, besuchen die Gueltas von Tinterhert und die bekannten Gravuren, darunter die berühmte „Kuh von Tinterhert“, die wir schon von früheren Reisen kennen. Die ganze Strecke ist neu trassiert, die

Teerarbeiten sind im Gange. Was war das doch früher für eine mühsam Strecke!. Wir werden selten kontrolliert , fühlen uns in Algerien nicht unsicher. Wenn wir nicht wüssten, was in den letzten Jahren hier alles passiert ist, würden wir das Land als völlig normal empfinden.

An der Grenze nach Tunesien möchte ein Zöllner noch etwas schnorren, aber dann geht es zügig weiter nach Tunis, wo man uns den gewünschten Fährtermin problemlos umbucht. Im Duty-Free-Shop versorgen wir uns noch mit tunesischem Rosé, hier kostet er 15 FF gegenüber 35 FF auf dem Schiff. In der Kabine leeren wir die erste Flasche, lassen die vielen Stationen dieser schönen Reise an uns vorüberziehen.

Nachtrag: Dieser Reisebericht schildert die Situation im Winter 1998/99. Zwischenzeitlich hat sich die Lage im Nordtschad nach einer vorübergehenden Verbesserung wieder verschlechtert. So war 1999 (z.B. im Juni/Juli) die gesamte Region um Bardaï für Touristen gesperrt. Im Juni sind auf einer Piste zwischen Al Katrun und Wour zwei Fahrzeuge auf eine Mine gefahren, obwohl sie auf Spuren gefahren sind.

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